Gernot Kaser, Tobias Kiwitt und Niels Schmidt

Gespräche mit Wedels Bürger*innenmeisterkandidaten

Am 06. März 2022 sind die Bürger*innenmeisterwahlen. Es wird zwischen den 3 Kandidaten Nils Schmidt, Gernot Kaser und Tobias Kiwitt entschieden. Wir sind der Meinung, dass Wedel endlich einen Wandel in Richtung Klimaschutz benötigt, weswegen wir bereits Forderungen für den kommenden Bürger*innnenmeister aufgestellt haben. Damit wir uns ein besseres Bild von den Kandidaten machen können und wissen, wer wie viel von unseren Forderungen umsetzen möchte und was es für weitere Pläne gibt, haben wir mit allen dreien ein Gespräch geführt. Was sagen Schmidt, Kaser und Kiwitt zu unseren Forderungen?

Gernot Kaser

Für Kaser ist die größte Problematik in Bezug auf die Klimakrise in Wedel das Kohlekraftwerk. In Perspektive stellt er die CO₂-Emissionen, die durch die erhöhte Nutzung von regenerativen Energien reduziert werden könnten. Eine Kommune könne, laut ihm, sehr viel für den Klimaschutz tun, zum Beispiel fahrradfreundlicher werden, bei Neubaugebiete die CO₂-Einsparung in die Planung mit aufnehmen und die Baufirmen nach entsprechenden Standards beauftragen (zum Beispiel durch Solardächer, Technologien). All dem entgegen sieht Kaser allerdings die Haushaltssperre/finanzielle Lage Wedels als Problem, auf welche Priorität gesetzt werden muss. So könne er auch Tempo 30 nicht versprechen, da es ein Gesamtverkehrskonzept geben müsse, bei dem Autofahrende nicht „außen vor gelassen werden“ dürfen – dennoch sollte der ÖPNV und die Sicherheit seiner Ansicht nach gesteigert werden. Auf die Frage, wie mehr Fahrradwege gebaut werden können und woher der Platz genommen wird, antwortete Kaser, dass geschaut werden müsse, wie Platz geschaffen werden kann. Er hofft, dass es insgesamt aber mehr Unterstellmöglichkeiten, Häuser mit Barrierefreiheit, die vom ADFC geforderten Schnellradwege und ein Park and Ride Angebot geben kann. Der Klimadialog sei allerdings prinzipiell eine gute Idee. Kaser würde Gesprächsrunden auch gerne in Zusammenarbeit mit Expert*innen auch zu anderen Thematiken, wie die Radinfrastruktur führen. Laut ihm wäre es aber wahrscheinlich, so etwas nur 1-2mal im Jahr durchzuführen.

Tobias Kiwitt

Kiwitt steht hingegen einem vierteljährlichen Klimadialog positiv gegenüber und wünscht sich mehr Bürgerbeteiligung, besonders von Betroffenen, vielleicht sogar bis in die Arbeitsgruppen wie die Mobilitäts-AG. Hier wäre das Mitwirken von Gruppen, wie dem ADFC, ebenfalls ein guter und wichtiger Schritt. Sein Hauptziel ist die Klimaneutralität von Wedel bis 2030, was besonders auch mit der Unterstützung verschiedener bundesweiter Förderprogramme für Kommunen erreicht werden solle. Wedel soll eher eine Radstadt werden, als eine Autostadt sein. Dafür sollen Radwege ausgebaut und verkehrsberuhigte oder sogar autofreie Zonen geschaffen und vermehrt werden. Auch den Ausbau von E-Ladeinfrastruktur erachtet er als sinnvoll, da zum Beispiel langfristig Tankstellen entlastet werden können. Ebenso wie Kaser ist Kiwitt für die Abschaltung des Kraftwerks und sieht Solarzellen auf Neubauten als eine wichtige Chance. Für Wedel Nord solle der Fokus bei dem weiter in der Zukunft liegenden 2. Bauabschnitt vor allem auf die aktive Stadtgestaltung mit Klima Fokus liegen. Für ihn wäre es wichtig, nachhaltige Technologien, wie Wärmepumpen zu fördern und auch, dass die Stadtwerke weiterhin staatlich bleiben. In Bezug auf die Bahnhofstraße will Kiwitt nachhaltigere Läden (Unverpackt oder Ähnliches), mehr fördern. Außerdem möchte Kiwitt versuchen, mehr mittelständige Unternehmen anzusiedeln und diese auch konkret Anwerben – sie seien preisstabiler als große Unternehmen und bieten eine bessere Planbarkeit. Große Unternehmen seien schwer ersetzbar und bringen Abhängigkeit mit sich.

Niels Schmidt

Schmidt möchte sich nicht auf die Klimaneutralität Wedels bis 2030 festlegen, aufgrund des eingeschränkten Handlungsspiels einer Kommune und in Anbetracht seiner realistischen Optionen. Als Kommune seien nur 50 % des Beitrages zur Klimaneutralität erreichbar. Zu unserer Forderung zur Ausweitung der Tempo 30 Zone benannte er einige Probleme, da nur wenig weitere Straßen für eine 30er-Zone geeignet wären. Es gäbe verkehrsrechtliche Probleme und durch die Buslinien seien die Möglichkeiten ebenso eingeschränkt. Car-Sharing Angebote wären laut ihm besonders für größere Städte wie Hamburg gut geeignet und eher schwierig in Wedel umsetzbar – ebenso gäbe es schnell ein Ungleichgewicht zwischen Fahrten nach Wedel gegenüber Fahrten zurück nach Hamburg.
Solardächer als Kommune zu subventionieren und selbst großflächig zu bauen ist für Schmidt keine wirkliche Option, dafür setzt er eher auf Unternehmen, die in Richtung Klimaneutralität mitdenken. Schmidt sieht einen offenen Klimadialog mit dem ganzen Rat, der transparent für alle Bürger*innen zugänglich ist, als kaum realistisch an, dafür würde er aber gerne mit uns (Fridays for Future) im regelmäßigen Kontakt bleiben. In Bezug auf Wedel Nord gäbe es noch keine konkrete Planung über regenerative Energien. Allerdings wird nach sinnvollen Möglichkeiten Solaranlagen auf Dächern zu bauen gesucht, was vor allem bei Neubauten möglich sein wird.

Appell an die Kandidaten

Insgesamt wird durch die Gespräche deutlich, dass alle drei Kandidaten den Umweltschutz in Wedel voranbringen möchten, wie es auch nicht anders zu erwarten war. Trotz dessen scheinen die Haushaltssperre und die Finanzen von Wedel ein großes Problem darzustellen, welches häufig wichtiger als der Klimaschutz zu sein scheint. Teilweise gibt es auch sehr optimistische Ansätze und wir hoffen sehr, dass das, was während des Wahlkampfes an “Versprechen” zu hören war, auch in die Tat umgesetzt wird. Deswegen appellieren wir zum Schluss an den künftigen Bürger*innenmeister – sei es Kaser, Kiwitt oder Schmidt – den Klimaschutz und die nötigen Maßnahmen dafür nicht zu ignorieren!

3 Kommentare zu „Gespräche mit Wedels Bürger*innenmeisterkandidaten“

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